Alltag jugendlicher Flüchtlinge in Szene gesetzt

Projekt Interkulturelle Theateraufführung erhielt viel Applaus – Schauspieler aus Afghanistan und Deutschland

Seelbach .  Bittere Kälte herrscht im Gebirge, der Sturm tobt. Keine Menschenseele weit und breit, als plötzlich eine barsche Stimme Befehle erteilt. Drei junge Männer kommen in Sicht. Sie robben erschöpft über den Boden, erbarmungslos angetrieben von Ihrem Schleuser, der sie in eine bessere Zukunft bringen soll – in eine bessere Zukunft. . .? Kein deutsches Wort fällt in dieser Theaterszene und doch ist die Brutalität des Flüchtlingsdramas unmissverständlich – auch für alle einheimischen Zuschauer, die im Saal den Atem anhalten.

Am Montag feierte die erst vor wenigen Monaten gegründete interkulturelle Theatergruppe mit Flüchtlingen aus dem Flammersfelder Raum eine beeindruckende interne Premiere im Roten Haus. Noch hatten sich die jungen Akteure nicht an die Öffentlichkeit gewagt, was eigentlich schade war. Die Leistung der rund 35 Schauspieler aus Afghanistan und Deutschland konnte sich wirklich sehen lassen. Innerhalb dreier Blöcken zeigten sie, wie mühsam das Ankommen in einem fremden Land ist. Trotzdem durfte kräftig gelacht werden, denn „Stau vor dem Badezimmer“ oder „Beim Einkaufen“ – Szenen nach wahren Begebenheiten – profitierten von der Spielfreude und dem guten Gruppenklima der Jugendlichen. Besonders der letzte Teil, in dem es um die Geschlechterrollen der jeweiligen Kultur ging, ließ die Zuschauer brüllen – zu komisch, wie die Jungs zu Selfie-schießenden , kriegsbemalten Modezicken wurden, während die Mädchen grölend auf der Stadiontribüne herumhingen.

Die Tatsache, dass die Flüchtlinge große Teile ihres Texte in ihrer Landessprache Paschte rezitierten, macht die Aufführung authentisch und gab den Afghanen die Chance, sich selbst treu zu bleiben. Am Ende lagen sich die Akteure und Betreuer glücklich in den Armen und nahmen den donnernden Applaus des Publikums entgegen. Das Fazit dieses Pilotprojekts? „Alle Menschen sind verschieden, und das ist gut so.

cci16102016

Bericht der RZ-Mitarbeiterin Julia Hilgenroth-Buchner

 

Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.